Drenthe – viel Wald und beeindruckende Hünengräber

Durch einen Artikel in der Prisma waren wir auf diese Region aufmerksam geworden: Drenthe, eine der wenigen niederländischen Provinzen, die keinen Zugang zur Nordsee haben. Immer wenn wir im Vorfeld Freunden oder Kollegen erzählten, dass wir in die Niederlande bzw. Holland in Urlaub fahren, wünschten sie uns natürlich standesgemäß einige schöne Tage am Meer.

niederlaendische flagge

Flagge der Niederlande

Irgendwann haben wir dann aufgehört, die Binnenlage Drenthes klarzustellen und uns einfach für die schönen Urlaubswünsche bedankt. Die meisten konnten sowieso nicht verstehen, warum man denn nach Holland aber nicht ans Meer fährt. Welchen Sinn sollte das schließlich haben?

Ich kann den Leser/ die Leserin durchaus beruhigen, der Sinn ist wirklich vorhanden, denn Drenthe ist eine landschaftlich reizvolle Provinz. Gerade vielleicht deswegen, weil sie einige typische Holland-Klischees eben nicht erfüllt. Natürlich ist die Landschaft auch hier im Vergleich zur Eifel eher flach, allerdings gibt es hier einige Erhöhungen, wie der Bereich Hondsrug (Hunderücken), eine Erhebung zwischen Emmen und Groningen. Der höchste Punkt liegt allerdings auch nur bei bescheidenen 32 m!

Daneben ist die Provinz ziemlich grün und waldreich, außerdem gibt es einige idyllische kleinere Seen. Wir hatten ein Ferienhaus in einem typischen Ferienpark gebucht. Es gab eine kleine Küche, in der wir uns meist selbst etwas kochen konnte. Wir hatten auch unseren Grill mit und einmal haben wir uns einen Besuch bei einem Chinesen gegönnt. Dies machen wir eigentlich immer im Niederlandeurlaub, da die Chinarestaurants dort unserer Meinung nach meist sehr empfehlenswert sind. Das war auch diesmal übrigens so.

Ein sehr interessanter Ferienpark in dieser Region ist übrigens auch der Hof van Saksen, den wir uns auch auf einer Fahrradtour einmal anschauten. Hier stehen einige sehr schöne und luxuriöse Ferienhäuser, die im typisch sächsischen Bauernstil erbaut sind. Hier findet man auch einen idyllischen, kleinen See, den man kurz umrunden kann.

Von Hollandurlauben sind wir die meist gut befahrenen Autobahnen durch Belgien und dem Süden Hollands gewohnt, so daß wir überrascht waren, wie ruhig die Fahrt in den Norden der Niederlande ablief. Insbesondere die A 31 auf deutscher Seite war sehr angenehm zu fahren und so kamen wir entspannt in unserem Ferienpark bei dem Ort Borger an. Der Park liegt in einem schönen Waldgebiet, wo man wunderbare Radtouren unternehmen kann.

Natürlich kann man auch die Landschaft erwandern, allerdings kommt man doch durch die flache Landschaft mit dem Fahrrad angenehm und zügig voran. Wir waren daher meist mit unseren Fahrrädern unterwegs, die wir auf unseren neu gekauften Fahrradgepäcktrager mitgenommen hatten. Mit einer guten Fahrradkarte durchfuhren wir mit unseren Rädern nicht nur die weitläufigen Wälder und Felder sondern auch durch die typisch niederländischen Dörfer, die dann wiederum doch sehr an die uns bekannten Küstenorte im Süden Holland errinnerten. Die typischen Backsteinhäuser mit den gepflegten Vorgärten und den Provinz- oder der Nationalflagge am Mast.

Wer allerdings glaubt, dass in hier das Wetter besser ist als an der Küste, der irrt. Wirkliche Wetterbarrieren zur Nordsee gibt es nicht und so vermutet man auch hier hinter jedem Waldstück lauert das Meer. In unserer Woche im Juni 2009 war es schon eher windig und auch recht regnerisch. Das tat dem Spaß am Urlaub aber keinen Abbruch, denn wir genossen die satte und grüne Landschaft, die weiten Felder, Heidelandschaften sowie die Ruhe der Provinz Drenthe. Und auch einige Stunden im Ferienhaus konnten wir nach den stressigen Wochen gebrauchen. Einmal waren wir auch im kleinen Schwimmbad des Parks.

Drenthe ist aber besonders bekannt für seine Hünengräber. In der Provinz liegen 52 der 53 Megalithanlagen des Landes. Sie zählen zur nordischen Megaltiharchitektur und errinnern eher an Skandinavien als an Westeuropa. In den Niederlanden nennt man sie Hunebedden. In der Gemeinde Borger-Odoorn liegen einige dieser Großsteingräber, von denen wir einige besichtigten. Ein sehr schönes kann man bei Borger im des Hunebedcenters (Hunebedcentrum) besichtigen. Hier wird auch in der daneben liegenden Ausstellung näher auf die Entstehungsgeschichte eingegangen.

Außerdem versucht man hier auch die zeitgenössische Kultur der Menschen darzustellen. Man erfährt mehr über das Leben der damaligen Bauern, mit interessanten Nachbildungen und Multimediaanwendungen. Auch finden hier regelmäßig Märkte statt.

In einem Waldgebiet in der Nähe bei Assen befindet sich dagegen etwas zur dunklen Geschichte des vorigen Jahrhunderts, nämlich das Errinnerungszentrum Kamp Westerborg. Hier ist die Geschichte des ehemaligen Durchgangslagers dargestellt. Außerdem stehen hier einige Radioteleskope.

Sehr empfehlenswert für einen Besuch ist auch der Dierenpark Emmen, der als einer der schönsten Zoos des Landes gilt. Es ist außerdem ein Zoog, den man auch bei schlechten Wetter besuchen kann, da viele Bereich überdacht sind. Hier die Tierwelt und Natur zu Erleben macht wirklich Spaß und ist unglaublich spannend. Es wird eigentlich alles hier gut erläutert und Zäune und Gitte werden hier durch Gräben ersetzt. Man hat also wirklich das Gefühl bei den Tieren zu sein. Der Park ist gegliedert nach Kontinenten und es gibt viel zusehen. Es gibt eine begehbare Anlage mit Humboldt-Pinguinen, ein tropischen Regenwaldgebäude, einen Streichelzoo sowie ein Schmetterlingshaus. Man fndet Bisons, Elche, Kodiakbären, etliche Affenarten, Zebras, Giraffen, Elefanten, Nashörner, sibirische Tiger, Kängurus und verschiedenen Vogelarten.

Nach einem Tag im Dierenpark Emmen hat man den Eindruck einen Weltreise gemacht zu haben. So wurde aus unserem Drentheurlaub eine Reise nicht nur in den Norden der Niederlande sondern auch ein Aufenthalt mit Blick in die Welt.

Drenthe ist eine tolle Alternative für Hollandfreunde, die einmal etwas anderes sehen möchte als Sandstrand und Meer.